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Psychotherapie - Information für Klient(inn)en und Patient(inn)en

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie DGVT
Text: Ulrike Worringen, Eva Christ, Heiner Vogel
Link zur DGVT: http://www.dgvt.de

Was ist Psychotherapie?
Psychotherapie bedeutet wörtlich übersetzt "Behandlung der Seele bzw. seelischer Probleme". Es geht dabei um die gezielte persönliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Denken, Fühlen und Verhalten.
Diese Auseinandersetzung wird unterstützt und begleitet von einer Diplom-PsychologIn mit meist fünfjähriger oder einer ÄrztIn mit meist dreijähriger therapeutischer Zusatzqualifikation oder - bei Kindern und Jugendlichen - auch einer DiplompädagogIn oder Diplom-SozialpädagogIn, die nach dem Studium eine meist fünfjährige Psychotherapieausbildung abgeschlossen hat.
Seit dem 1.1.1999 ist eine staatliche Anerkennung (Approbation) Voraussetzung für die heilkundliche Ausübung der Psychotherapie, die zum Schutz der PatientIn eine ausreichende Ausbildung der PsychotherapeutIn sicherstellen soll.
Psychotherapie kann als Einzel-, Paar-, Familien- oder Gruppentherapie durchgeführt werden.
Warum Psychotherapie?
Psychotherapie bietet Hilfe bei Störungen des Denkens, Fühlens und Handelns. Häufige Anlässe für Psychotherapie sind u. a. Depressionen, Ängste, Zwänge, aber auch körperliche Beschwerden, die durch psychische Probleme entstehen oder aufrecht erhalten werden. In der Regel leiden die Menschen, die therapeutische Hilfe suchen, oder oft auch deren Angehörigen oder Freunde, stark unter deren Beschwerden, so dass eine Veränderung gewünscht wird.
Die Probleme können eine Reaktion auf konkrete Ereignisse - Verlust eines wichtigen Menschen, Verlust von Arbeit oder Heimat, körperliche Krankheit, erlebte Gewalt u. v. m. - darstellen oder auch ohne einen konkreten äußeren Zusammenhang erlebt werden.
Neben der Psychotherapie in privater Praxis gibt es auch viele andere Hilfsmöglichkeiten bei seelischen Problemen. Das kann ein vertrauensvolles Gespräch mit einem nahestehenden Menschen sein, Gespräche mit TherapeutInnen in einer Beratungsstelle, das Bearbeiten eines Ratgeberbuches, ein Entspannungs- oder Selbstsicherheitstraining an der Volkshochschule oder auch der Besuch einer Selbsthilfegruppe. Nicht immer ist Psychotherapie notwendig, um Probleme zu verarbeiten. Ob eine Psychotherapie im Einzelfall angezeigt ist, lässt sich mit Hilfe einer PsychotherapeutIn bei einem Vorgespräch klären. Bei bestimmten psychischen Störungen kann auch eine unterstützende medikamentöse Behandlung durch eine PsychiaterIn zweckmäßig sein.
Welche Psychotherapie ist die richtige für mich? Stationär oder ambulant?
Wenn eine Psychotherapie angezeigt ist, kann diese ambulant oder stationär stattfinden. Das hängt vom Ausmaß und von der Art der Probleme oder von aktuellen Lebensumständen ab.
Ambulant kann eine von der Krankenkasse finanzierte Psychotherapie durch niedergelassene PsychotherapeutInnen oder eine Ambulanz durchgeführt werden.
Es gibt verschiedene Kliniken, die stationäre Psychotherapie anbieten. In der Regel können Ihre TherapeutIn, eine Beratungsstelle oder Ihre/Ihr Hausärztin/Hausarzt geeignete Kliniken empfehlen und die Zugangswege klären.
Welche Psychotherapieverfahren gibt es?
Es gibt unterschiedliche psychotherapeutische Methoden, mit denen ein psychisches Problem behandelt werden kann. Die zur Anwendung kommenden Methoden richten sich nach der Ausbildung Ihrer PsychotherapeutIn und nach Ihrer speziellen Problemlage. Deswegen ist es wichtig, bei der Suche nach einer geeigneten PsychotherapeutIn nach der Ausbildung der PsychotherapeutIn zu fragen, da nicht jede Methode bei jeder Problematik geeignet ist. Häufig haben PsychotherapeutInnen auch Kenntnis in verschiedenen Behandlungsmethoden.
Aufgrund neuer Bestimmungen werden die Kosten von der gesetzlichen Krankenversicherung für alle Altersgruppen seit dem 1.1.1999 nur noch für Verhaltenstherapie und tiefenpsychologische bzw. analytische Therapieverfahren übernommen.
In der Verhaltenstherapie steht das aktuelle psychische Problem und seine Bewältigung im Vordergrund. Die persön-che Lebensgeschichte findet besondere Berücksichtigung, da sie für die Entstehung und Aufrechterhaltung des Problems wichtig ist. Es werden Erklärungsmodelle für die ak-tuellen Probleme erarbeitet. Die PatientIn hat die Möglichkeit, neue Denk- und Verhaltensweisen auszuprobieren, die mit angenehmerem Fühlen und Empfinden einhergehen können, und sich diese im Sinne eines Lernprozesses anzueignen. Dabei wird großer Wert auf die Absprache der Therapieziele und Vorgehensweisen mit der PatientIn gelegt. Die Wirksamkeit der Verhaltenstherapie ist bei vielen psychischen Problemen, wie z. B. Depressionen, Ängsten, Zwängen und Selbstsicherheitsproblemen wissenschaftlich sehr gut belegt.
Tiefenpsychologische Verfahren wie auch die Psychoanalyse gehen davon aus, daß aktuelle psychische Probleme Folge unbewusster Konflikte aus der Kindheit sind, die in der Therapie wieder bewusst gemacht und bearbeitet werden sollten. Dazu werden u. a. Gedanken und Gefühle in freier Assoziation geäußert und ggf. Trauminhalte mitgeteilt, die dann als symbolische Äußerungen unbewusster Inhalten gedeutet werden.
Bis Sie sich entscheiden, ob Sie Ihre Therapie bei einer TherapeutIn beginnen möchten, können Sie zunächst einige Probetherapiestunden nehmen, um die TherapeutIn und ihre Arbeitsweise kennenzulernen.
Trauen Sie sich konkret nachzufragen! So können Sie sich am besten ein Bild davon machen, ob Sie die Behandlung bei dieser PsychotherapeutIn beginnen möchten. Ein wichtiger Anhaltspunkt ist, ob Sie sich im Erstgespräch verstanden und ernstgenommen fühlen und ob Sie sich gut informiert fühlen über Arbeitsweise und Folgen der Psychotherapie. Sollte dies nicht der Fall sein, nehmen Sie sich die Freiheit, den Kontakt zu einer anderen PsychotherapeutIn zu suchen. Immerhin geht es in der Regel bei Ihrem Problem um sehr persönliche Dinge. Deswegen sollten Frauen und Männer, wenn sie Psychotherapie suchen, aufgrund ihrer unterschiedlichen Problemlagen und Lebensbedingungen auch genau überlegen, ob sie zu einem männlichen Therapeuten oder einer weiblichen Therapeutin gehen wollen.
Wie finde ich psychotherapeutische Hilfe?
Es ist den Krankenkassen und den ÄrztInnen nicht erlaubt, persönliche Empfehlungen bei der Suche einer geeigneten PsychotherapeutIn auszusprechen. Aber ÄrztInnen, auch PsychiaterInnen, die mit FachkollegInnen zusammenarbeiten, oder Beratungsstellen, werden Ihnen sagen können, ob es PsychotherapeutInnen in Ihrer Nähe gibt, die sich u.U. sogar auf Ihr Problem spezialisiert haben.
In größeren Städten finden Sie auch spezialisierte Beratungsstellen für Frauen, Kinder, Männer, MigrantInnen und Flüchtlinge u.a. und Beratungsstellen, die sich auf bestimmte Probleme konzentrieren (Suchtberatungsstellen, Beratungsstellen für misshandelte oder vergewaltigte Kinder und Frauen, Erziehungsberatungsstellen etc.). Diese Beratungsstellen können u. U. auch übergangsweise für Sie hilfreich sein, wenn Sie nicht sofort einen für Sie persönlich geeigneten Therapieplatz finden und eine Wartezeit in Kauf nehmen müssen.
Grundsätzlich finden Sie die Adressen und Telefonnummern niedergelassener PsychotherapeutInnen und Psychosozialer Beratungstellen im Branchenbuch (Gelbe Seiten) unter dem Stichwort "Psychotherapie". Beratungsstellen finden Sie in manchen Orten bei den freigemeinnützigen Trägern (Caritas, AWO, Diakonie u.a.) oder der Stadtverwaltung. Schauen Sie auch in ggf. vorhandene psycho-soziale Adressbücher.
Eine andere Möglichkeit besteht darin, im Bekannten- oder Familienkreis nach möglichen Erfahrungen mit PsychotherapeutInnen zu fragen.
Finanzierung von psychotherapeutischer Hilfe
Die Arbeit von Beratungsstellen ist für KlientInnen meist kostenlos. Psychotherapie bei niedergelassenen PsychotherapeutInnen wird wie andere Leistungen zur Krankenbehandlung in der Regel über die Krankenkasse abgerechnet. Die Krankenkassen haben Listen von PsychotherapeutInnen, die von der Kassenärztlichen Vereinigung anerkannt wurden und deren psychotherapeutische Leistungen sie bezahlen. Die Krankenversicherungen bezahlen Verhaltenstherapie und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie wie auch Psychoanalyse. Zu allen zugelassenen PsychotherapeutInnen haben Sie seit dem 1.1.1999 ohne ärztliche Überweisung direkten Zugang mit der Chipkarte Ihrer Krankenkasse, die dann auch die Kosten für die Probesitzungen übernimmt. Nach fünf bis acht Sitzungen müssen Sie sich entscheiden, ob Sie die Therapie bei dieser TherapeutIn fortführen möchten, da Ihre TherapeutIn dann bei Ihrer Krankenkasse die Übernahme weiterer Kosten beantragen muss.
Sollte die von Ihnen gewählte PsychotherapeutIn keine Kassenzulassung haben, besteht die Möglichkeit, die psychotherapeutische Behandlung selbst zu bezahlen. In Einzelfällen gibt es noch die Möglichkeit, einen Antrag auf Kostenerstattung zu stellen. Bitte informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse. Gegen eine Ablehnung der Kostenübernahme durch die Krankenkasse können Sie Widerspruch einlegen.
Häufigkeit und Dauer der Psychotherapie
Die Dauer einer Psychotherapie richtet sich nach Inhalt und Komplexität der Probleme, unterscheidet sich jedoch auch je nach Therapieform oft erheblich. Eine Verhaltenstherapie führt dabei häufig schneller zum Ziel und ist daher i. d. R. deutlich kürzer als eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie wie auch eine Psychoanalyse.
Zu Beginn der Therapie sollten Sie mit der PsychotherapeutIn über den Rahmen und die Ziele der Psychotherapie sprechen. Es ist wichtig, sich selbst realistische Ziele zu setzen.
Bezüglich der Häufigkeit der Psychotherapiesitzungen sollten individuelle Vereinbarungen mit Ihrer PsychotherapeutIn getroffen werden. Die Frequenz und Dauer der Sitzungen sollte der bestmöglichen Wirksamkeit angepasst werden.
Allgemeine Grundregeln für die Therapie
Eine psychotherapeutische Beziehung beruht auf gegensei-tigem Vertrauen und Respekt. PsychotherapeutInnen haben sich an bestimmte fachliche und ethische Regeln zu halten und unterliegen der Schweigepflicht. Sie holen sich Hilfe und Kontrolle für ihre Arbeit in der Supervision. Sie achten die Würde eines jeden Menschen, der sich ihnen anvertraut. Sie folgen dem Abstinenzgebot, d.h. sie lassen sich auf keine privaten Beziehungen zu ihren KlientInnen und PatientInnen ein, um den Fortgang der Therapie nicht zu behindern. Dies gilt insbesondere für sexuelle Kontakte.
Wenn Sie als PatientIn das Gefühl haben, Ihr Therapeut / Ihre Therapeutin missachtet Ihre persönlichen Grenzen und Wertvorstellungen, oder wenn Sie unsicher sind über den Sinn seiner/ihrer Handlungen, sprechen Sie ihn/sie darauf an. Falls Sie nach einem solchen Gespräch immer noch verunsichert sind, sich unverstanden oder missachtet fühlen, suchen Sie sich Rat und Hilfe. Die meisten Psychotherapiefachverbände haben inzwischen Ansprechpartner für solche Fragen. Sie können sich aber auch an (andere) psychosoziale Beratungsstellen oder Patientenberatungs-stellen wenden und sich von diesen über örtliche AnsprechpartnerInnen informieren lassen.
Literaturempfehlungen:
Weitergehende grundsätzliche Informationen zur Psychotherapie:
Dohrenbusch, Ralf; Kraner, Lisa (1999): Chance Psychotherapie.
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf (in der Regel über örtliche Verbraucherzentralen zu beziehen)
Zur Selbsthilfe geeignet:
Merkle, Rolf; Wolf, Doris (1995): Gefühle verstehen - Probleme bewältigen. Ein praktischer Ratgeber zur Bewältigung von Ängsten, Unsicherheiten, Minderwertigkeits- und Schuldgefühlen. Mannheim: PAL-Verlag.
Leicht verständliche Information über Verhaltens-Therapie:
Fliegel, Steffen (1994): Stichwort Verhaltenstherapie.
München: Heyne Verlag. (Nur zu beziehen über: DGVT-Verlag, Hechinger Str. 203, 72072 Tübingen, Verrechnungsscheck in Höhe von DM 8,- beifügen)

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