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"Schwul-Sein und psychische Gesundheit"

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Gleichgeschlechtliches sexuelles Verhalten und psychiatrische Störungen

Ergebnisse der NEMESIS-Studie

Theo, G.M. Sandfort, PhD; Ron de Graaf, PhD; Rob V. Bijl, PhD; Paul Schnabel, PhD;

Der folgende Text ist eine stark gekürzte Übersetzung des englischen Originaltextes „Same-Sex Sexual Behavior and Psychiatric Disorders“. Der Originaltext enthält den hier fehlenden statistischen Teil der Studie und eine ausführliche Literaturliste.

Während eines Großteils des letzten Jahrhunderts galt Homosexualität an sich als psychische Störung. 1973 entfernte die American Psychiatric Association Homosexualität aus ihrer Liste psychischer Störungen. Anlass für die Entfernung boten Forschungsergebnisse und die beständigen Einwendungen sowohl von Professionellen des Gesundheitswesens als auch von Aktivisten.

Als Reaktion auf die frühere psychiatrische Stigmatisierung von Homosexualität und motiviert durch eine soziale Bewegung, die größere Akzeptanz homosexueller Menschen zum Ziel hatte, legten verschiedene Autoren später Nachdruck auf die Gleichwertigkeit homosexueller und heterosexueller Menschen in Bezug auf ihre psychische Gesundheit. Andere wiesen darauf hin, dass die psychische Gesundheit von Homosexuellen vorrübergehend oder in bestimmten Untergruppen von unterschiedlichen Belastungen beeinträchtigt sein könnte. Einige Autoren rechneten mit einer erhöhten Zahl von Selbsttötungen, besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Ergebnis der Belastungen während des Coming-Out. Ebenso wurde vermutet, dass das Ausmaß von Tabletten- und Suchtmittel-Missbrauch bei Schwulen und Lesben höher sei, als bei Heterosexuellen. Schließlich wurden auch gesteigerte Unzufriedenheit mit dem Körperbild und Ess-Störungen mit dem spezifischen Lebensstil und der Subkultur von offenen schwulen und lesbischen Männern und Frauen in Zusammenhang gebracht.

Obwohl viele Einschätzungen zur psychischen Gesundheit von homosexuellen Männern und Frauen vorliegen, sind die Resultate ohne Beweiskraft und nicht überzeugend. Das beruht vorwiegend auf methodischen Problemen, die charakteristisch sind für die meisten Studien, die seit den 1960igern durchgeführt wurden: bequeme Stichproben, kleine Stichprobengrößen, das Fehlen adäquater Kontrollgruppen, fehlende Kontrolle von potentiellen Ko-Faktoren, Benutzung nicht-standardisierter Forschungsinstrumente und fragwürdige externe Validität.

Die Ergebnisse von neuen Studien, die exaktere Methoden einsetzten, unterstützen nachhaltig die Annahme vom Bestehen orientierungsabhängiger Unterschiede im psychischen Gesundheitsstatus. In einer Studie unter adoleszenten Jugendlichen, wurden Selbstmordabsichten und tatsächliche Selbstmordversuche in Beziehung gesetzt zu Homosexualität bei Männern. Es wurde aufgezeigt, dass junge Menschen mit homosexueller oder bisexueller Orientierung ein erhöhtes Risiko für majore Depressionen, generalisierte Angststörungen, Verhaltensstörungen, Suchtmittelgebrauch und -abhängigkeit und Selbsttötung hatten. Erwachsene Männer mittleren Alters, die angaben einmal männliche Sexpartner gehabt zu haben, trugen ein höheres Selbstmordrisiko verglichen mit heterosexuellen Männern, sogar nach Berücksichtigung von Suchtmittelmissbrauch und depressiver Symptomatik. Für aktiv homosexuelle Männer mit 1-jähriger psychiatrischer Erkrankung in einer Stichprobe der amerikanischen Bevölkerung wurde gegenüber anderen Männern ein etwas erhöhtes Risiko für majore Depression und Panikattacken gefunden und für aktiv homosexuelle Frauen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für die Diagnose von Alkohol- oder Drogenabhängigkeit. Jedoch haben diese Studien verschiedene Einschränkungen.

Das Ziel unserer Studie ist, die Unterschiede im Verbreitungsgrad von psychiatrischen Störungen gemäß DSM-III-R in Beziehung zu Homosexualität zu untersuchen und einige der Einschränkungen früherer Studien zu überwinden. Dies wird erreicht durch eine große, repräsentative Stichprobe der niederländischen Bevölkerung, die ohne Beachtung der sexuellen Orientierung zusammengestellt wurde und die getrennte Analysen für Männer und Frauen erlaubt.

Die Studie kategorisiert Menschen als homosexuell oder heterosexuell ausgehend vom Verhalten im kurz zurückliegenden Zeitraum, statt vom Verhalten irgendwann während der Lebenszeit. Die Studie benützt ein valides und standardisiertes Instrument für die Einschätzung von psychiatrischen Störungen, das wir in face-to-face-Interviews einsetzten. Indem wir sowohl den Verbreitungsgrad psychischer Störungen bezogen auf die bisherige Lebenszeit und während der vergangenen 12-Monate untersuchten, waren wir in der Lage die Beziehung zwischen Homosexualität und psychischer Gesundheit genauer einzuschätzen als die meisten anderen Studien.

Die Befragung

Die Daten, auf denen diese Studie beruht, sind Teil der Netherlands Mental Health Survey and Incidence Study (NEMESIS), eine Untersuchung der Verbreitung psychiatrischer Störungen in einer repräsentativen Stichprobe der niederländischen Bevölkerung im Alter von 18 bis 64 Jahren. Insgesamt wurden 7076 Personen interviewt. Die Einschätzung der psychiatrischen Störungen erfolgte, bevor die Befragten nach ihrem sexuellen Verhalten gefragt wurden, um auf diese Weise verfälschende Einflüsse auf die Daten zu vermeiden.

Die Arbeit wurde von 90 Interviewern geleistet. Die befragten Personen wurden verbal befragt, ob sie im vergangenen Jahr sexuelle Kontakte gehabt hatten und nach dem Geschlecht des Sexualpartners. Wenn der/die Befragte Sex mit einer Person des gleichen Geschlechts gehabt hatte (egal ob ausschließlich oder nicht), wurde er/sie als homosexuell klassifiziert. Von den 7076 Teilnehmern beantworteten 30 Befragte die Frage nach ihrem sexuellen Verhalten nicht. Von den verbleibenden 7046 gaben 85,2 % an, im letzten Jahr Sex gehabt zu haben. Von den Männern gaben 2,8 % (n=82) an, Sex mit männlichen Partnern gehabt zu haben (6 von diesen Männern hatten im selben Zeitraum auch Sex mit Frauen).

Ergebnisse

Männer:

Im Vergleich mit heterosexuellen Männern hatten homosexuelle Männer signifikant höhere 12-Monats- und Lebenszeit-Wahrscheinlichkeiten für affektive und Angststörungen. Die Durchsicht der einzelnen affektiven Störungen ergab, dass im Vergleich zu heterosexuellen Männern, während der letzten 12-Monate und der Lebenszeit für homosexuelle Männer eine viel größere Wahrscheinlichkeit bestand für bipolare Störungen [Homosexuelle: 12-Monate 4,9 % (Lebenszeit in Klammern 8,5 %), Heterosexuelle: 0,8 % (1,2 %)] und eine größere Wahrscheinlichkeit für majore Depressionen [Homosexuelle: 9,8 % (29,3%), Heterosexuelle: 3,9 % (10,9 %)], aber keine größere Häufigkeit für dysthyme Störungen. Bei näherer Betrachtung der spezifischen Angststörungen, war gegenüber heterosexuellen Männern die Verbreitung bei homosexuellen Männern für alle Angsstörungen über die Lebenszeit signifikant höher, außer für generalisierte Angststörungen. Der größte Unterschied bestand bei Zwangsstörungen [Homosexuelle: (6,1%), Heterosexuelle: (0,7%)] und Agoraphobie [Homosexuelle (7.3%), Heterosexuelle (1.8%)]. Der Verbreitungsgrad während der letzten 12-Monate für Agoraphobie, einfache Phobie, und Zwangsstörungen war bei homosexuellen Männern, im Vergleich mit heterosexuellen Männern, höher. Bei substanzinduzierten affektiven Störungen bestand ein signifikanter Unterschied nur bezogen auf Alkoholmissbrauch über die Lebenszeit. Dies ist die einzige Störung, die bei heterosexuellen Männern häufiger gefunden wurde, als bei homosexuellen Männern.

Der vollständige Text findet sich in ARCH GEN PSYCHIATRY / Vol. 58, Januar 2001

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